Betriebskosten nicht sofort bezahlen

Nicht blind zahlen!

 

Streitpunkt Nebenkosten: Jede zweite Abrechnung ist falsch. Was Vermieter verlangen dürfen, wie sich Mieter wehren können, wie die Gerichte urteilen.

 

 

In Deutschland zahlen Mieter rein rechnerisch durchschnittlich 2,14 Euro pro Quadratmeter im Monat für Betriebskosten. Rechnet man alle denkbaren Posten zusammen, kann die sogenannte zweite Miete sogar bis zu 2,78 Euro pro Quadratmeter und Monat betragen.

Umgerechnet auf eine 100-Quadratmeter-Wohnung bedeutet das neben der Kaltmiete eine Zusatzbelastung von etwa 3336 Euro pro Jahr. Der größte Anteil davon entfällt auf Heizkosten, wie der Deutsche Mieterbund (DMB) in seinem aktuellen Betriebskostenspiegel ermittelt.


Dazu zählen Grundsteuer, Kaltwasser, Abwasser und Warmwasser, Heizung, Aufzug, Straßenreinigung und Müllabfuhr, Hausreinigung und Ungezieferbekämpfung, Gartenpflege, Beleuchtung, Schornsteinreinigung, Versicherung, Hausmeister, Gemeinschaftsantenne oder Breitbandkabel, Wäschepflege sowie sonstige Kosten wie zum Beispiel Schwimmbad und Sauna im Haus.

 

Auf Basis von mehr als neun Millionen Quadratmetern Mietwohnungsfläche und rund 35 000 Abrechnungen gewährleistet der Betriebskostenspiegel eine umfassende und repräsentative Aussage zur Durchschnittshöhe. Wer deutlich mehr zahlt, sollte sich deshalb seine Nebenkostenabrechnung etwas genauer ansehen. „Das gilt auch insbesondere dann, wenn die Kosten im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen sind“, rät Ulrich Ropertz vom DMB.

Viele Verstöße gegen Bestimmungen


Laut DMB ist jede zweite Nebenkostenabrechnung falsch. So können sich etwa Posten eingeschlichen haben, die gar nicht dazugehören. Grundsätzlich muss im Mietvertrag geregelt sein, was zu den Nebenkosten zählt. Den Rahmen gibt die Betriebskostenverordnung vor. Dort wird abschließend aufgezählt, welche laufenden Kosten Vermieter abrechnen dürfen. Einmalige Ausgaben für Reparaturen oder Instandhaltung sind grundsätzlich keine Betriebskosten. Wartungskosten dürfen laut Gesetz für Heizung und Aufzug umgelegt werden. Allerdings hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass auch Kosten für die Überprüfung einer Elektroanlage zu den Betriebskosten zählen (Az. VIII ZR 123/06). Voraussetzung: Sie sind im Mietvertrag unter dem Posten „Sonstige“ aufgeführt. Tabu sind dagegen Bankgebühren, Beiträge zur Rechtsschutz- und Mietausfallversicherung oder Verwaltungskosten.

Auch überhöhte Kosten im Vergleich zu marktüblichen Preisen muss der Mieter nicht zahlen. Denn laut Gesetz ist der Vermieter dem Gebot der Wirtschaftlichkeit verpflichtet. „Er muss sich die Frage gefallen lassen, ob er Betriebskosten auch dann verursacht hätte, wenn er sie selbst tragen müsste und nicht auf die Mieter umlegen könnte“, erläutert Ropertz. Allerdings ist der Vermieter nicht gezwungen, immer die billigste Variante zu wählen. Er kann sich zum Beispiel auch für eine etwas teurere, aber zuverlässige Reinigungsfirma entscheiden.

 

Im Detail: Mietnebenkosten in Deutschland 

Nebenkosten

Betrag in Cent pro Quadratmeter je Monat

Heizung

77

Wasser inklusive Abwasser

40

Grundsteuer

19

Hauswart

20

Warmwasser

22

Aufzug

14

Müllbeseitigung

19

Gebäudereinigung

15

Sach- und Haftpflichtversicherung

12

Gartenpflege

9

TV-Antenne/-Kabel

12

Allgemeinstrom

5

Straßenreinigung

5

Schornsteinreinigung

4

Sonstige

5

Gesamt

2,78 Euro

Quelle: Betriebskostenspiegel, Deutscher Mieterbund

 

 

 

 

 

DGA - deutsche Gutachterauskunft
DGSV - Deutscher Gutachter und Sachverständigen Verband